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Von Karl May bis Elfriede Jelinek, von Lemberg bis Berlin – dürfen wir vorstellen: Natalka Sniadanko!

„Chrystyna und Solomija sind jung, klug und selbstbewusst“, heißt es über Natalka Sniadankos Romanheldinnen, und das kann von der Autorin erst recht behauptet werden.

Genauer betrachtet: eine seltene Sprachbegabung, charmante Klugheit und großartiger Humor zeichnen die Lemberger Schriftstellerin aus. Als Verfasserin von mehreren Romanen sowie Übersetzerin und Journalistin hat sie sich in ihrer Heimat, der Ukraine, ebenso wie in Deutschland und Polen einen Namen gemacht. Unter ihren Übersetzungen aus dem Deutschen und Polnischen finden sich Bestsellerautoren, Klassiker und Nobelpreisträger: von Elfriede Jelinek und Günter Grass bis Franz Kafka und Friedrich Dürrenmatt, von Zbigniew Herbert und Czesław Miłosz bis Judith Hermann und Feridun Zaimoglu. Und nicht zuletzt ist Karl May zu nennen, dessen weltberühmter „Winnetou“ mit Sniadankos Übersetzung erstmals auf Ukrainisch zugänglich ist.

Als Autorin gehört Sniadanko der Generation von Serhij Zhadan und Tanja Maljartschuk an, lange etablierte und international bekannte ukrainische Autoren wie Juri Andruchowytsch und Andrej Kurkow sind hingerissen von Sniadankos erzählerischem Talent – das unter anderem in ihrem aktuellen Roman zu genießen ist, der dieser Tage bei Haymon erstmals auf Deutsch erscheint.

Sniadanko, die selbst mehrere Jahre in Deutschland gelebt hat, schickt darin zwei Musiklehrerinnen von Lemberg, dem „Berlin der Westukraine“, ins wahre Berlin. Von ihren Erfahrungen dort, zwischen eigenwilligen Arbeitgebern und komplizierten Liebesgeschichten, weiß Sniadanko auf höchst unterhaltsame, und auch berührende Weise zu berichten. Und wie tief Sniadanko unter die Haut der Stadt Berlin eindringt, bekommt man bei der Lektüre angenehm zu spüren. Ein Leben zwischen zwei vermeintlichen Heimaten also, zwischen zwei Mentalitäten – spannend nicht zuletzt in Zeiten wie diesen, wo es allerorten darum geht, sich in der Fremde einzurichten, sich mit Fremden vertraut zu machen.

Von dieser Erfahrung hat Sniadanko bereits in ihrem Debütroman „Sammlung der Leidenschaften“ furios witzig und geistreich erzählt: Eine ukrainische Studentin in Freiburg im Breisgau, zwischen deutschen Gutmenschen und italienischen Machos – da ist der Culture Clash vorprogrammiert, den Natalka Sniadanko klug und humorvoll in Szene setzt. In der Ukraine als Kultroman gefeiert, wird der Roman im kommenden Jahr bei Haymon erhältlich sein.

In einem kleinen Interview mit Kulturkontakt Austria, das unter folgendem Link zu sehen ist, erzählt die Autorin unter anderem von ihrer Leidenschaft, sich mit fremden Städten und Menschen vertraut zu machen.

 


Natalka Sniadanko

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Natalka Sniadanko. Foto: © Kateryna Slipchenko

Natalka Sniadanko, geboren 1973 in Lemberg, wo sie lebt und arbeitet. Schriftstellerin, Übersetzerin, Journalistin. Ihr Debütroman „Sammlung der Leidenschaften“ von 2001 erschien 2007 auf Deutsch. Übersetzungen unter anderem von Elfriede Jelinek, Günter Grass, Herta Müller und Judith Hermann aus dem Deutschen und von Czesław Miłosz und Zbigniew Herbert aus dem Polnischen. Im Frühjahr 2016 erscheint bei Haymon ihr Roman „Frau Müller hat nicht die Absicht, mehr zu bezahlen“ erstmals auf Deutsch.