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Jochen Jung: Dichtes Dichten

Jochen Jung - Autor und Verleger der Jung und Jung Verlags mit seinem ersten Gedichtsband: Das alte Spiel. Foto: © www.fotowerk-aichner.at

Jochen Jung – Autor und Verleger des Jung und Jung Verlags veröffentlicht seinen ersten Gedichtband: Das alte Spiel. Foto: © Fotowerk Aichner

Jugend und Alter, Liebe und Tod, Bob Dylan und H.C. Artmann: In Jochen Jungs neuem Gedichtband „Das alte Spiel“ werden Farben und Formen lebendig, Empfindungen wärmen die Seele und Trost keimt auf. Munter und lebensklug, lakonisch und melancholisch schaut sich der große Verleger um und infiziert die Welt mit seinem Dichtfieber. Lassen Sie sich anstecken!

Ein Gastbeitrag von Jochen Jung:

Was gibt es Schöneres als das Schreiben von Gedichten?

Schreibt der Lyriker und vergisst im Augenblick, dass noch viel schöner das Lesen von Gedichten sein kann. Denn man ist ja nie der Erste (außer zwangsläufig mit den eigenen Textlein), es hat ja im Laufe der Jahrhunderte schon so viele einschüchternd großartige Dichter gegeben, dass von der Notwendigkeit neuer kaum die Rede sein kann. Man lese nur, wer da was um das Jahr 1800 in deutscher Sprache geschrieben hat: Hölderlin (absolut der Größte), Goethe (sowieso der Größte), Schiller (besser als sein Ruf), Brentano (viel besser) und z.B. die Brüder Stolberg aus Deutschlands Norden etc.pp (= poetissima).

Dennoch: gegen die beliebten Stöhn- und Ächzlaute so mancher Dichter, wie schwer es sei, ein gutes Gedicht hinzukriegen, setze ich mal das Glückglucksen, das aufsteigt, wenn sich in mir eine Formulierung meldet, ein Bild, ein Reim, die genau das treffen, was sie selber angezettelt haben und ich also gerade sagen wollte, die ins vorhandene Gefüge passen, Witz und Pointe haben und im besten Fall schön sind, Kopf und Herz zum Klingen und Singen bringen, mich meinen, dich erreichen, sich einprägen und leuchten.

Höflich wäre es freilich, wenn mich die liebe Muse nicht immer ausgerechnet nachts oder frühmorgens küssen wollte. Natürlich verstehe ich, dass sie mich am liebsten im Bett aufsucht, aber wir beide sind ja vielseitig beschäftigt, und da ist unausgeschlafen sein nicht immer hilfreich.

Aber Apoll sei Dank: Gedichte dichten dauert mitnichten. Entweder du hast einen Einfall, dann kann  auch was werden, oder du hast ihn gerade nicht: Dann lass es, er kommt schon wieder. Dichten mit Gewalt wird nichts, man sieht den herbeigenötigten Zeilen (denn Verse sind doch was anderes) den Krampf immer an.

Gedichte sind Geschenke, für den Dichter wie für den Leser. Nur für den Verlag kommen sie manchmal von den Danaern und nicht von Apoll.