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Monika Helfer studiert mit Michael Köhlmeier Charaktere und Charakter

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Ein Gespräch mit Monika Helfer

 

In ihren Romanen und Erzählungen porträtiert die Autorin Monika Helfer gerne Außenseiterfiguren, die in ihren ganz eigenen Welten leben. Mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Michael Köhlmeier, hat sie unter dem Titel „Der Mensch ist verschieden“ nun einen bunten Reigen menschlicher Charaktertypen beschrieben. Im Folgenden gibt sie einen Einblick in die Schriftstellerwerkstatt Helfer/Köhlmeier und erzählt, was sie immer schon schreiben wollte.

 

 

 

Dorothea Zanon: Dreiunddreißig Charaktertypen lernen wir in „Der Mensch ist verschieden“ kennen. Was fasziniert dich daran, Menschen in Typen zu fassen? Und vor allem: Wo sitzt der Charakter?

Monika Helfer: Mich interessieren alle Menschen, ich mag auch am liebsten Fotos, auf denen Menschen abgebildet werden. Es interessiert mich, Menschen zu beobachten und zu vergleichen. Das klingt zwar, als wären es Studienobjekte, aber es ist einfach so, dass ich die Menschen zum Schreiben brauche. Es ist auch eine Sache der Erfahrung. Je länger ich gelebt habe, umso mehr habe ich gesehen.
Wo der Charakter sitzt, kommt am Besten in Extremsituationen hervor, wie verhält sich ein Mensch, wenn er sich unbeobachtet glaubt.
Mein Glück wäre es, könnte ich so gut wie Tschechow über die Menschen schreiben.

 

DZ: Was du mit deinem Mann Michael Köhlmeier beim Schreiben gemeinsam hast, ist die unglaublich reiche Fantasie. Wenn ihr nun beide gemeinsam ein Buch schreibt, stell ich mir das so vor: Ihr werft eure Ideen und viele Worte dazu in einen Zaubertopf, rührt um, würzt ein bisschen nach und da haben wir diesen unvergleichlichen Helfer/Köhlmeier-Stil. Ist es so?

MH: Das wäre schön, es ist aber nicht so. Michael ist ein analytischer Kopf und ich bin ein Wirrkopf. Fantasie haben wir beide ausreichend. Vielleicht ist es so, dass ich tiefer hineinschauen kann, dafür erkennt Michael das Wie und Warum, er hat eine extrem schnelle Auffassungsgabe, während ich noch im Zaubertopf rühre, riecht er schon die Speise.

 

DZ: Dieses Buch ist nicht eure erste gemeinsame Arbeit, ihr habt z.B. auch schon ein wunderbares Kinderbuch miteinander verfasst – „Rosie und der Urgroßvater“. Was ist das Schöne am Gemeinsam-Schreiben? Und wenn ihr euch mal uneins seid, wer setzt sich durch?

MH: Wir können nur gemeinsam schreiben, weil wir so verschieden sind. Michael ist in unserem Buch der Philosoph und ich bin die Ausdenkerin.
Durchsetzen wird sich der mit den besseren Argumenten.

 

DZ: Dein neuer Roman ist gerade bei Jung und Jung erschienen. Der Titel lautet „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ – wer spricht hier?

MH: Ich würde sagen, es spricht eine anonyme Autorität, die jeder von uns kennt. Wenn wir Glück haben, versickert sie in der Kindheit, vielen Menschen aber bleibt sie ein ganzes Leben lang. Wir ziehen den Kopf ein und machen uns klein, obwohl wir einen Hals haben und groß sind.

 

DZ: Hast du schon Ideen für ein neues Buch? Vielleicht wird es eines, das du unbedingt und immer schon schreiben möchtest?

MH: Was ich immer schon schreiben wollte, ist ein Buch, das heißen würde: „Die Träumerin“.
Eine Frau träumt jede Nacht und am Morgen kommt ein Mann und holt die Träume ab. (Es ist wie beim Stroh zu Gold spinnen.) Immer muss der Frau etwas einfallen, ob geträumt oder erfunden. Da ich selber eine heftige Träumerin bin, denke ich, wird mir das nicht allzu schwer fallen.
Momentan schreibe ich mein Buch „Beginnende Migräne“ fertig, das handelt von einer Frau mit Migräne, wie sie damit die Familie tyrannisiert und dabei ein schlechtes Gewissen hat.

 

.Dorothea Zanon, geboren 1980, Studium der Literaturwissenschaft in Innsbruck und Wien. Seit 2008 Lektorin im Haymon Verlag.

Monika Helfer, geboren 1947 in Au/Bregenzerwald, lebt als Schriftstellerin mit ihrem Ehemann Michael Köhlmeier und ihrer Familie in Vorarlberg. Sie hat Romane, Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht, darunter den Roman „Bevor ich schlafen kann“ (2010) und den Kurzgeschichtenband „Die Bar im Freien“ (2012). Für ihre Arbeiten wurde sie u.a. mit dem Österreichischen Würdigungspreis für Literatur (1997) und dem Johann-Beer-Literaturpreis (2012) ausgezeichnet. Bei Haymon erschienen die Novelle „Kleine Fürstin“ (1995), der Geschichtenband „Diesmal geht es gut aus“ (mit Zeichnungen von Lorenz Helfer, 2014) sowie aktuell „Der Mensch ist verschieden“. Dreiunddreißig Charaktere (gemeinsam mit Michael Köhlmeier). Ebenso im Frühjahr erschien ihr Roman „Schau mich an, wenn ich mit dir rede!“ bei Jung und Jung.

 

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